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GUTE BLUTWERTE – UND TROTZDEM ERSCHÖPFT?

GUTE BLUTWERTE – UND TROTZDEM ERSCHÖPFT?

Was dein Körper dir dann wirklich sagen will

Viele Menschen kennen genau dieses Gefühl:

Die Blutwerte sind „in Ordnung“.
Man schläft.
Der Alltag läuft irgendwie weiter.

Und trotzdem fühlt sich der Körper nicht erholt an.
Eher leer. Unruhig. Dauerangespannt.

Viele denken dann:
„Dann bilde ich mir das wohl ein.“
Oder: „Ich muss mich einfach mehr zusammenreissen.“

Doch genau hier liegt oft der Denkfehler.

Erschöpfung hat heute oft andere Ursachen als früher

In meiner Arbeit sehe ich immer wieder Menschen,
bei denen medizinisch „alles passt“ –
und die sich trotzdem seit Monaten oder Jahren erschöpft fühlen.

Das ist kein Zufall.

Die Forschung zeigt schon lange:
Erschöpfung entsteht häufig nicht, weil dem Körper etwas fehlt,
sondern weil er über längere Zeit unter Dauerbelastung stand.

Der Körper ist erstaunlich anpassungsfähig.
Er kann Stress kompensieren – eine Zeit lang.

In der Medizin spricht man hier von Allostase:
Der Körper hält sich stabil, obwohl er eigentlich unter Druck steht.

Wird dieser Zustand chronisch, entsteht eine sogenannte Allostatic Load –
eine schleichende Überlastung des Systems.

Was das im Alltag konkret bedeutet

Wenn der Körper lange im Stressmodus war, passiert Folgendes:
• Das Nervensystem bleibt schneller im Alarm
• Regeneration läuft nur noch eingeschränkt
• Verdauung, Hormonbalance und Zellaufbau kommen zu kurz
• Man funktioniert – aber man lädt nicht mehr richtig auf

Und ja:
Das kann passieren, auch wenn Blutwerte unauffällig sind.

Warum Schlaf dann nicht mehr reicht

Viele Erschöpfte sagen mir:
„Ich schlafe – aber ich wache nicht erholt auf.“

Das liegt nicht an mangelnder Disziplin.
Sondern oft daran, dass der Körper innerlich nicht abschalten kann.

Die Schlafforschung nennt das Hyperarousal:
Ein Zustand, in dem das Nervensystem auch nachts nicht wirklich zur Ruhe kommt.

Typisch sind Aussagen wie:
• „Mein Kopf ist sofort wieder da.“
• „Ich bin müde, aber innerlich wach.“
• „Ich komme nie richtig runter.“

Das ist kein psychisches Problem.
Das ist eine biologische Stressreaktion.

Stille Entzündungen – ein oft übersehener Faktor

Ein weiterer Punkt, der in der klassischen Abklärung oft untergeht,
sind sogenannte stille Entzündungen.

Dabei handelt es sich nicht um akute Entzündungen,
sondern um niedriggradige Prozesse im Hintergrund.

Studien zeigen, dass solche Entzündungsreaktionen
mit Erschöpfung und fehlender Regeneration zusammenhängen können –
selbst wenn keine klare Diagnose gestellt wird.

Viele Menschen spüren:
„Irgendetwas stimmt nicht – aber man findet nichts.“

Auch das hat einen Grund.

Was die Epigenetik hier sichtbar macht

Die Epigenetik betrachtet nicht nur einzelne Werte oder Gene,
sondern das Zusammenspiel aus:
• Nervensystem
• Stressbelastung
• Schlaf
• Entzündungsprozessen
• Lebensrhythmus
• innerer Sicherheit

Die entscheidende Frage ist deshalb oft nicht:
„Was fehlt mir?“

Sondern:
„Warum kommt mein Körper nicht mehr in echte Regeneration?“

Allein diese Perspektive verändert schon sehr viel.

Zwei kleine Impulse für den Alltag

1. Weniger Druck, mehr Entlastung
Wenn der Körper im Alarm ist, hilft zusätzlicher Druck selten.

Ein einfacher Impuls:
Atme etwas länger aus als ein (z. B. 4 Sekunden ein, 6–8 Sekunden aus),
für ein paar Atemzüge.
Das wirkt direkt regulierend auf das Nervensystem.

2. Eine ehrliche Frage
– „Bin ich gerade innerlich ruhig – oder unter Strom?“
Wenn die Antwort „unter Strom“ ist, braucht der Körper nicht mehr Leistung,
sondern mehr Sicherheit.

Zum Mitnehmen

Regeneration beginnt nicht dort,
wo man sich weiter antreibt.

Sondern dort,
wo der Körper wieder herunterfahren darf.

Wenn du dich in diesem Text wiedererkennst,
ist das kein Zeichen von Schwäche –
sondern ein Signal, das ernst genommen werden will.

Gesundheit verstehen – aus epigenetischer Sicht
Basia
SELADA – Institut für Epigenetik & Körperbewusstsein
Beckenried

www.epigenetik-nidwalden.ch

Quellen (Auswahl)
• McEwen, B. S. (1998). Protective and damaging effects of stress mediators.
https://europepmc.org/article/MED/9629234
• Zusammenhang zwischen Entzündungsmarkern und Fatigue
https://digitalcollections.lrc.usuhs.edu/digital/api/collection/p16005coll10/id/211885/download
• Hyperarousal und Schlafstörungen
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5900369/